Reicht die Reform des G8?

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.83, Mittwoch, den 09. April 2008 , Seite 1

Reicht die Reform des G 8?

Auf der 58. Jahresversammlung der Landeselternvereinigung hat Kultusminister Siegfried Schneider die geplanten Änderungen im G8-Stundenplan erläutert. Bianka Poschenrieder, Elternbeiratsvorsitzende am Grafinger Gymnasium, schildert Karin Kampwerth ihre Eindrücke.

SZ: Der Kultusminister will in Lernfächern wie Geografie, Geschichte und Natur und Technik kürzen. Macht Sie das glücklich?

Poschenrieder: Nein, die Antworten des Ministers waren insgesamt unbefriedigend. Auch die Landeselternvereinigung ist der Ansicht, dass der Stundenrahmen von derzeit 265 Stunden gekürzt werden müsste. Diese Meinung teile ich nicht, denn die Qualität des Abiturs sollte erhalten bleiben. Das Problem sind auch nicht die Unterrichtsstunden, sondern das umfangreiche Detailwissen. Der Stoff müsste durchforstet und fächerübergreifend verzahnt werden. Außerdem sollte der Schwerpunkt stärker auf den Grundwissenkatalog und das Vermitteln von Kompetenzen gelegt werden. Das brauchen die Gymnasiasten im Beruf und im Studium.

SZ: Hat das Treffen mit dem Kultusminister unterm Strich also nicht viel gebracht?

Poschenrieder: Es bleibt dabei, dass die Einführung des G 8 zu überstürzt war und nicht durchdacht ist. Die Planung läuft noch immer nicht rund, was auch der Doppelabiturjahrgang 2011 beweist. Nur ein Beispiel: Schneider hat angekündigt, dass bis dahin 38 000 neue Studienplätze eingerichtet werden, die im Frühjahr 2011 bereitstehen sollen. Das aber nutzt den Abiturienten nichts, die ein naturwissenschaftliches Fach oder Medizin studieren wollen.

SZ: Führen die Eltern einen Kampf gegen Windmühlen?

Poschenrieder: Es wirkt, als würde die Landeselternvereinigung nicht ernstgenommen. Diesen Eindruck hat der Minister auch auf der Jahresversammlung hinterlassen. Sein Terminkalender war so dicht gedrängt, dass er nicht einmal die Fragerunde mit den Elternbeiräten zu Ende bringen konnte. Geradezu verhöhnt fühle ich mich, weil ich auf meine Frage nach dem Fortschreiten der amtlichen Schülerdatenbank die Aussage erhielt, dass alles nur mit der Zusage des bayerischen Datenschutzbeauftragten realisiert werde. Im Nachhinein erfuhr ich, dass ein Gesetzesentwurf vorliegt, wonach die Abiturnoten namentlich erfasst werden.

[Artikel im Original]